Kulturbrücke Tee: Cordula Paetzels Reisen ins Herz der Teeprovinzen

01.06.2026

HANGZHOU, China, 1. Juni 2026 /PRNewswire/ -- Von Stephan Ossenkopp*

Kulturbrücke Tee: Cordula Paetzels Reisen ins Herz der Teeprovinzen

Cordula Paetzels Leben und Wirken sind untrennbar mit der Kultur des chinesischen Tees verbunden. Eine wachsende Zahl von Teeliebhabern kennt sie auch unter ihrem chinesischen Namen „Beimake" (贝玛柯), sowohl als fundierte Spezialistin für chinesischen Tee als auch als leidenschaftliche Vermittlerin der tiefgründigen Traditionen, die sich hinter den edlen Blättern verbergen. Seit 2024 bietet Paetzel zudem organisierte Reisen in die traditionellen Teeanbaugebiete Chinas an. Gerade erst von einer intensiven Frühjahrstour durch die renommierten Teeprovinzen Anhui, Jiangxi und Fujian zurückgekehrt, berichtet sie im Gespräch mit „Dialog China-Deutschland" von ihren persönlichen Erfahrungen, den wirtschaftlichen Herausforderungen des Teehandels und der philosophischen Dimension, die eine Tasse Tee begleiten kann.

Vom Ostfriesentee zum Longjing

Paetzels Verbindung zu China reicht bis in die 1980er Jahre zurück, als sie ein Studium in Hangzhou in der Provinz Zhejiang absolvierte. Dort machte sie eine Erfahrung, die ihr Leben nachhaltig prägen sollte und den Grundstein für ihre heutige Expertise legte. „Ich bin mit Ostfriesentee groß geworden, das ist klassischer Schwarztee", erinnert sie sich. In Hangzhou jedoch tranken die Studierenden vorrangig grünen Tee, der direkt aus der nahegelegenen, weltberühmten Region Longjing stammte. „Das war meine erste Begegnung mit grünem Tee", sagt Paetzel. Der Geschmack des Tees, den sie aus einfachen Blechbechern der Universität trank – heute scherzhaft als „Grandpa Style" bezeichnet, da man die Blätter direkt im Becher aufbrüht und durch die Zähne filtert –, brannte sich nachhaltig in ihr Geschmacksgedächtnis ein.

Da Paetzel in Deutschland vergeblich nach diesem spezifischen Geschmack suchte und ihn erst auf weiteren Reisen nach China wieder fand, gründete sie im Jahr 2016 kurzerhand ihr eigenes Unternehmen. Was als kleines Nebenprojekt für einen Onlineshop begann, wurde zu einer Mission: authentischen chinesischen Tee nach Deutschland bringen und die unterschiedlichen Konsumgewohnheiten überbrücken. Heute importiert die Sinologin und Filmproduzentin unter dem Unternehmensnamen „Beimake" feinste, handgepflückte Tees aus China. Im Rahmen traditioneller „Gongfu Cha"-Zeremonien verkostet sie diese auf Seminaren – nicht nur in ihrer Altbauwohnung in Berlin-Friedenau, sondern überall dort, wo sie die Tees auf traditionelle Weise zubereiten kann.

Mehr als nur ein Aufguss: Die Kunst der Zubereitung

Im Gespräch erklärt die Sinologin die fundamentalen Unterschiede zwischen der westlichen und der chinesischen Teekultur. Während im Westen meist Teebeutel mit kleingeschnittenen Blättern verwendet würden, die nur für einen einzigen Aufguss vorgesehen seien, sei chinesischer Tee ein Ganzblatttee, der darauf ausgelegt sei, sein Aroma über mehrere Aufgüsse hinweg schrittweise zu entfalten. „Der chinesische Tee ist so angelegt, dass sich das Aroma nach und nach entwickelt", erklärt Paetzel. Jeder Aufguss offenbare neue Nuancen, da sich die Blätter langsam öffneten und schrittweise unterschiedliche Stoffe abgäben, sagt sie.

Die Zubereitung im sogenannten „Gaiwan", einer traditionellen Schale mit Deckel, erfordert zwar etwas Übung, belohnt Geduldige jedoch mit einem intensiven Erlebnis. Wichtig sind dabei das Verhältnis von viel Blatt zu wenig Wasser sowie kurze Ziehzeiten. Dies stehe im starken Kontrast zu den drei bis fünf Minuten, die auf deutschen Teebeutel-Packungen empfohlen würden. Die Teekennerin betont auch die Bedeutung des „Gongfu Cha". „Gongfu" bedeute nicht nur Kungfu im Sinne eines Kampfsports, sondern vor allem „Zeit und Aufwand investieren". In China heißt Teetrinken, sich bewusst Zeit zu nehmen, zusammenzukommen und den Moment zu genießen. Dies kann als eine Form der Entschleunigung verstanden werden, die auch in der heutigen, hektischen Gesellschaft von großer Wichtigkeit ist.

Chinesische Tees werden meist nach dem Ort benannt, an dem sie angebaut und hergestellt werden. Der Name repräsentiert die Herstellungsweise und die Qualität. Jedes Anbaugebiet bringt andere Tees hervor, jede Gegend verleiht dem Tee eine besondere Charakteristik und Qualität. Paetzels Reisen führen zu Teebauern, die hochwertige Tees herstellen, und zu Teemeistern, die ihren Aufgüssen ein unverkennbares Aroma verleihen und ihr Wissen bis heute hüten. Eine Reise zu den Plantagen und in die Teeberge, in denen seit jeher die edelsten Sorten hergestellt werden, ist immer auch eine Begegnung mit den Menschen, die mit Leidenschaft und Hingabe das Beste aus der Teepflanze herausholen, eine Reise ins Herz der chinesischen Kultur.

Unterwegs in der Wiege des Tees

Bei Paetzels jüngster Reise besuchte sie mit ihrer Gruppe zunächst das historische Huxinting-Teehaus in Shanghai, bevor es in die ländlichen Produktionsgebiete ging. Besonders beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer von der Natur im Wuyishan-Gebirge in Fujian. „Dort ist es wirklich traumhaft schön", schwärmt Paetzel. Das Herzstück der Reise seien jedoch die direkten Begegnungen mit den Teebauern gewesen. „Auf welcher Reise lernt man schon die Leute so direkt kennen, die den Tee selbst herstellen?", fragt sie. Das Vertrauen zwischen Reisenden und Produzenten wachse am Teetisch. Paetzel achtet dabei stets darauf, die Gastfreundschaft durch Geschenke und den Kauf von Tee zu erwidern.

Die von ihr angebotenen Tees stammen von Familienbetrieben, die meist nur ein bis zwei lokale Teesorten im Jahr produzieren. Sie verzichten auf den Einsatz von Chemie und verarbeiten ihre Blätter nach traditioneller Technik, wobei sie organische Dünger wie Hühnermist oder gepresste Sojabohnenfladen verwenden. Gepflückt werden nur die jungen Triebe der Pflanze Camellia sinensis. Am wertvollsten seien Tees, die nur aus den zarten Knospen bestehen, verrät Paetzel. Diese enthielten die höchste Konzentration aromatischer Öle.

Allerdings bemerkt Paetzel auch strukturbedingte Herausforderungen. Viele der besuchten Betriebe seien kleine Familienbetriebe, für die ein Export nach Europa oft kaum machbar sei. Allein schon wegen der strengen deutschen Lebensmittelgesetze und der hohen Kosten für Bio-Zertifizierungen scheuten viele Kleinbauern den internationalen Markt. „Finanziell ist das schon eine kleine Bürde", sagt die Sinologin. Daher verbleibe der Großteil des Tees, insbesondere grüner Tee, auf dem lokalen Markt, während größere Händler die Ware aufkauften und vermarkteten.

Digitalisierung und Zukunftsvisionen

Auch der Einblick in die moderne Vermarktung innerhalb Chinas sei sehr interessant. Während der Export nach Europa mit Hürden verbunden sei, nutzten chinesische Teebauern zunehmend digitale Plattformen. Paetzel berichtet von einem Freund, der Bauern dabei helfe, ihren Tee über Livestreams auf Douyin, der chinesischen Version von TikTok, zu bewerben. „Da sieht man dann sehr viele kleine Onlinehändler, die vor einem Mikrofon sitzen und Dinge vermarkten", beschreibt sie den aktuellen Trend. Die Digitalisierung helfe den Bauern, zumindest den Binnenmarkt zu erschließen, auch wenn der internationale Weg noch steinig sei.

Für die Zukunft plant Paetzel, ihre Reisen als Bildungsreisen auszubauen. Langfristig möchte sie alle 19 Teeprovinzen Chinas bereisen, Sichuan und Yunnan hat sie bereits im Blick. Zudem denkt sie über ein Buch nach, um ihre Erfahrungen mit den Teebauern festzuhalten und ein breiteres Publikum an der Kultur teilhaben zu lassen.

Entschleunigung als Geschenk

Paetzels jahrzehntelange persönliche Leidenschaft für chinesischen Tee und seine Herkunftsregionen zeigt, dass Tee mehr ist als nur ein Genussmittel. Er ist ein Medium für Begegnung, Verständigung und Entschleunigung. „Wir treten plötzlich auf die Bremse, setzen uns hin", beschreibt die Berlinerin die Wirkung der Teezeremonie. In unserer hektischen Welt könne die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen und Gastfreundschaft durch Tee zu zeigen, viel bewirken, findet sie. Wer sich für chinesischen Tee interessiert, findet in Paetzels Arbeit also nicht nur hochwertige Produkte, sondern auch eine Einladung, die Kultur dahinter zu verstehen und die eigene Geschwindigkeit vielleicht einmal zu hinterfragen. Ihre Verkostungen sind weit mehr als ein bloßes kulinarisches Vergnügen. Die Teilnehmer tauchen tief in die chinesische Teekultur ein, hören Geschichten und erfahren allerlei überraschende Fakten.

*Stephan Ossenkopp ist Senior Researcher am Schiller Institute Berlin und Senior Copy-Editor am China Institute of International Studies in Beijing.

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Zürcher Handelsgericht weist Grossteil von Palantirs Gegendarstellungs-Klage ab

15.06.2026

Der US-Datenkonzern Palantir hat in der Schweiz eine deutliche juristische Niederlage erlitten. Das Handelsgericht Zürich wies 22 von 23 beanstandeten Passagen in zwei kritischen Artikeln des Online-Magazins «Republik» zurück. Lediglich eine einzelne Formulierung muss die Redaktion korrigieren. Palantir und seine Schweizer Tochtergesellschaft wollten gerichtlich durchsetzen, dass umfangreiche Gegendarstellungen publiziert werden; dieses Anliegen ist nun weitgehend gescheitert. Nach dem Urteil muss der Konzern zudem den überwiegenden Teil der Verfahrenskosten tragen.

Ausgangspunkt des Rechtsstreits waren Recherchen, die im Dezember 2025 nach rund einjähriger Arbeit erschienen. Das Projekt von «Republik» und dem Recherchekollektiv WAV beleuchtete, wie Palantir über mehrere Jahre versucht hatte, bei Bundesstellen und dem Schweizer Militär Aufträge zu erhalten – ohne Erfolg. Die Journalisten werteten dazu Dutzende Gesuche nach dem Öffentlichkeitsgesetz sowie interne Unterlagen aus und kamen zum Befund, dass das Unternehmen trotz einer mehrjährigen Präsenz in der Schweiz keinen einzigen Regierungsauftrag gewinnen konnte. Diese Erzählung eines «Scheiterns» auf dem Schweizer Markt war nach Darstellung der beteiligten Reporter Auslöser für Palantirs juristische Offensive.

Die Redaktion hatte dem Unternehmen nach eigenen Angaben vor Veröffentlichung ausführliche Fragen geschickt und Führungskräfte interviewt. Palantir verlangte darüber hinaus eine detaillierte, punktweise Replik im Magazin, die über den Umfang der ursprünglichen Recherche hinausgegangen wäre. Als «Republik» dies ablehnte, reichte der Konzern Klage ein. Das Zürcher Handelsgericht stellte nun klar, dass nur eine von 23 umstrittenen Passagen eine Gegendarstellung erfordert. Damit bestätigt das Urteil, dass der Großteil der Berichterstattung über Palantirs vergebliche Akquisitionsversuche bei Schweizer Behörden auf einer zulässigen Auswertung amtlicher Dokumente beruht.

Palantir ist international vor allem durch den Einsatz seiner Software in militärischen und nachrichtendienstlichen Kontexten bekannt. Seit 2022 stellt das Unternehmen Plattformen zur Verfügung, die ukrainische Behörden und Streitkräfte bei der Auswertung von Lagebildern, der Zielidentifikation und der Logistik unterstützen. Die Systeme werden außerdem von US-amerikanischen und verbündeten Diensten im Nahen Osten genutzt, um iranische Aktivitäten etwa in Raketenprogrammen, beim Einsatz von Drohnen oder in Cyberoperationen zu analysieren. Direkte Geschäftsbeziehungen mit dem Iran bestehen nach Unternehmensangaben aufgrund von US-Sanktionen nicht. Das Zürcher Urteil könnte über die Schweiz hinaus Signalwirkung haben, nachdem die Recherche bereits in anderen europäischen Staaten Debatten über Nutzen und Notwendigkeit der Palantir-Technologie im staatlichen Bereich angestoßen hatte.