Neuer Eigentümer für Hamburger Luxuskaufhaus Alsterhaus zeichnet sich ab

09.04.2026


Das Hamburger Luxuskaufhaus Alsterhaus soll erneut den Eigentümer wechseln. Das Family-Office der Schoeller Group plant gemeinsam mit einer großen deutschen Pensionskasse die Übernahme der prominenten Immobilie aus der Insolvenzmasse der Signa-Gruppe. Das teilte die Schoeller Group mit. Der Abschluss des Geschäfts steht allerdings noch unter Vorbehalt: Gläubiger müssen der Transaktion zustimmen, zudem sind regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

Das Alsterhaus zählt zu den bekanntesten Einkaufsadressen in Hamburg und gehörte bislang zur Luxusimmobilien-Sparte der österreichischen Signa-Gruppe um René Benko. Der Immobilien- und Handelskonzern war im Zuge steigender Zinsen und Baukosten sowie infolge risikoreicher Zukäufe – darunter die deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof – in die Insolvenz geraten. Für Teile des Immobilienportfolios, zu dem auch das Alsterhaus zählt, ist Insolvenzverwalter Torsten Martini zuständig. Er verweist mit Verweis auf seine Verschwiegenheitspflicht auf eine Stellungnahme zur geplanten Transaktion.

Auf der Mieterseite ändert sich durch den möglichen Eigentümerwechsel zunächst nichts. Das Alsterhaus wird von der KaDeWe GmbH betrieben, die auch das KaDeWe in Berlin und den Oberpollinger in München verantwortet. KaDeWe-Chef Timo Weber betonte auf Anfrage, es bestehe ein langfristiger Mietvertrag. Die Betreibergesellschaft gehört zur thailändischen Central Group, die sich bereits seit Längerem im europäischen Luxuswarenhausgeschäft engagiert.

Finanzielle Details des Deals bleiben vorerst unter Verschluss. Weder zum Kaufpreis noch zur namentlichen Nennung der beteiligten Pensionskasse machte die Schoeller Group Angaben. Der Unternehmensverbund mit Sitz in München und Zürich ist unter anderem auf Mehrwegverpackungen spezialisiert und bündelt über sein Family-Office privates Vermögen. Mit dem Einstieg beim Alsterhaus würde sich die Gruppe einen prestigeträchtigen Standort in bester Lage der Hansestadt sichern, während die Signa-Insolvenzverwalter einen weiteren Baustein in der Verwertung des Portfolios voranbringen.

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Medizinische Hilfe oft nur der erste Schritt: Studie zeigt Versorgungslücken bei Gewaltopfern

30.04.2026


Sexuelle Gewalt hinterlässt bei den Betroffenen deutlich tiefere und länger anhaltende Spuren, als bislang in der Schweiz weithin angenommen. Das zeigt eine neue Studie aus der Romandie, die vom Genfer Universitätsspital (HUG) koordiniert wurde und nach Angaben der Forschenden erstmals eine systematische Nachverfolgung von Opfern über einen Zeitraum von zwölf Monaten vornimmt. Beteiligt waren neben dem HUG der Spitalverbund Wallis sowie fünf Waadtländer Spitäler.

Für die Untersuchung wurden 181 von sexueller Gewalt betroffene Personen – 180 Frauen und ein Transmann – ein Jahr lang begleitet. Die Auswertung ergibt ein klares Bild: 71 Prozent der Teilnehmenden zeigen zwölf Monate nach der Tat depressive Symptome, 68 Prozent weisen Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung auf, 57 Prozent leiden unter ausgeprägter Angst. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet zudem weiterhin über körperliche Beschwerden wie chronische Schmerzen, Schlafstörungen oder anhaltende Erschöpfung.

Besonders gravierend sind die Folgen im Intimbereich. Rund zwei Drittel der Betroffenen, die sexuell aktiv sind, geben an, auch ein Jahr nach dem Übergriff unter sexuellen Funktionsstörungen zu leiden. „Diese Daten zeigen klar, dass sexuelle Gewalt ein tiefgreifendes und dauerhaftes Trauma ist“, wird Studienleiterin Jasmine Abdulcadir in der Mitteilung zur Studie zitiert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es sich nicht um vorübergehende Reaktionen handelt, sondern um anhaltende Beeinträchtigungen mit potenziell weitreichenden Auswirkungen auf Partnerschaft, Familie und Berufsleben.

Die Datenerhebung bestätigt zudem bekannte Muster bei sexueller Gewalt. In der Mehrheit der Fälle kennen die Betroffenen die Täterperson, häufig stammt diese aus dem nahen Umfeld. Die gemeldeten Übergriffe ereignen sich überwiegend in privaten Räumen. Zwar suchen viele Opfer laut Studie rasch nach der Tat medizinische Hilfe, doch die Forschenden verweisen darauf, dass die anschliessende Betreuung häufig unzureichend bleibt. Angesichts der hohen Belastung über mindestens ein Jahr hinweg sehen Fachleute dringenden Handlungsbedarf bei der langfristigen psychischen, körperlichen und sexuellen Versorgung von Betroffenen.