Mobiliar räumt Portfolio auf und schreibt Geschichte – aber warnt vor Wiederholung

03.04.2026


Die Schweizerische Mobiliar hat im vergangenen Jahr einen historischen Gewinnsprung erzielt. Der genossenschaftlich organisierte Versicherer steigerte den Reingewinn auf 825 Millionen Franken und damit auf mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts von 390,7 Millionen Franken. Treiber des Ergebnisses war ein ausserordentlich starkes Finanzergebnis, das sich von 416,7 Millionen auf 901,9 Millionen Franken mehr als verdoppelte.

Auf der Ertragsseite profitierte die Mobiliar insbesondere vom Börsengang der Swiss Marketplace Group (SMG) im September. Im Zuge des IPO trennte sich der Versicherer von einem Anteil von rund 10 Prozent an dem Betreiber von Online-Inserateplattformen und reduzierte seine Beteiligung auf 19,3 Prozent. Zusammen mit dem Verkauf nicht strategiekonformer Beteiligungen brachte die Bereinigung des Portfolios gut 300 Millionen Franken ein. Zusätzlich veräusserte die Mobiliar rund 3 von insgesamt etwa 16 Tonnen Gold, nachdem der Goldpreis im Jahresverlauf um 44 Prozent zugelegt hatte.

Trotz hoher Realisierungsgewinne aus Gold- und Aktienverkäufen konnte das Anlagejahr 2025 beim laufenden Kapitalanlageertrag nicht ganz mit dem Vorjahr mithalten. Der Ertrag aus den Kapitalanlagen sank um 4,5 Prozent auf 376,9 Millionen Franken. Dennoch reichte das Finanzpolster aus, um ein Grossschadenereignis zu absorbieren: Der verheerende Felssturz, der am 28. Mai 2025 das Walliser Bergdorf Blatten verschüttete, verursachte Bruttoschäden von rund 140 Millionen Franken und belastete die Schadenrechnung deutlich.

Trotz dieser Belastung verbesserte sich die Combined Ratio der Mobiliar leicht auf 97,0 Prozent nach 97,1 Prozent im Vorjahr, was auf tiefere Kosten zurückzuführen ist. Konzernchefin Michèle Rodoni dämpfte zugleich die Erwartungen für das Jubiläumsjahr 2026, in dem der Versicherer sein 200-jähriges Bestehen feiert. Der jetzt ausgewiesene Rekordgewinn sei klar von Sondereffekten geprägt, betonte sie. Börsengänge wie jener der SMG sowie derart umfangreiche Realisierungsgewinne aus Gold und Beteiligungsverkäufen seien aussergewöhnlich und liessen sich in dieser Form nicht Jahr für Jahr wiederholen.

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FMS-Streit: USA finanzieren Schweizer Patriot-Systeme mit F-35-Anzahlungen

02.04.2026


Die Schweiz hält ihre Zahlungen an die USA für das bodengestützte Luftverteidigungssystem Patriot weiterhin zurück. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) informierte den Bundesrat, dass am Zahlungsstopp festgehalten werde, solange aus Washington keine verbindlichen Angaben zu Lieferterminen und Zahlungsmeilensteinen vorliegen. Hintergrund ist eine von den USA angekündigte Verzögerung der Patriot-Lieferung um mehrere Jahre. Die US-Seite hatte die Reihung der Auslieferungen zugunsten anderer Empfänger geändert – zunächst zugunsten europäischer Nato-Staaten, die Systeme an die Ukraine abgegeben hatten, später auch mit Verweis auf zusätzliche Bedarfe im Nahen Osten.

Aus Sicht der Schweiz verändert diese Repriorisierung zentrale vertragliche Grundlagen der Beschaffung. Offene Punkte betreffen insbesondere den Zeitplan, mögliche Kostenfolgen und die Ausgestaltung des Zahlungsplans. Bern stoppte daher bereits im Herbst die Einzahlungen in den US-Trust-Fund, über den Beschaffungen im Rahmen des Programms Foreign Military Sales (FMS) abgewickelt werden. Über diesen Fonds laufen nicht nur die Patriot-Zahlungen, sondern auch jene für die F-35A-Kampfflugzeuge und Ersatzteile für die F/A-18-Flotte.

Recherchen und eine Bestätigung durch das VBS zeigen allerdings, dass die USA den Schweizer Zahlungsstopp teilweise umgehen. Zahlungen, welche die Schweiz für die F-35A geleistet hatte, wurden von der zuständigen US-Behörde DSCA in den vergangenen Monaten zur Finanzierung der Schweizer Patriot-Beschaffung eingesetzt und an Hersteller Raytheon weitergeleitet. Rechtlich ist dieses Vorgehen innerhalb des FMS-Systems zulässig, politisch aber in Bern «völlig unbefriedigend», wie der Schweizer Rüstungschef es beschrieben hat. In der Praxis besteht das Risiko, dass die Schweiz die Systeme vorfinanziert, ohne über gesicherte Liefertermine zu verfügen.

Gleichzeitig erhöht die US-Regierung den Druck. Nach Angaben aus Schweizer Kreisen wies Washington darauf hin, dass bei einem Unterschreiten eines bestimmten Liquiditätsniveaus im Trust Fund Programme suspendiert oder gar gekündigt werden könnten. Betroffen wäre dann nicht nur das Patriot-Projekt, sondern das gesamte Schweizer FMS-Portfolio mit den USA. Das verschärft den Zielkonflikt in Bern: Einerseits will die Regierung mit dem Zahlungsstopp Druck auf verbindliche Zusagen ausüben, andererseits gilt es, zentrale Rüstungsvorhaben wie die Beschaffung der neuen F-35A-Kampfflugzeuge nicht zu gefährden.

Für die Schweiz steht damit mehr auf dem Spiel als nur ein einzelnes Luftverteidigungssystem. Die Verzögerungen bei Patriot, das Umleiten von Geldern aus anderen Projekten und der drohende Liquiditätsengpass im Trust Fund legen die Abhängigkeit der Schweizer Sicherheitspolitik von US-Rüstungsprogrammen offen. Zugleich zeigt der Fall, wie stark internationale Prioritätenverschiebungen – etwa im Zusammenhang mit der Unterstützung der Ukraine oder der Lage im Nahen Osten – auf langfristig geplante Beschaffungen mittelgrosser Staaten durchschlagen können.